Aktuelle Fellow

Dr. Elif Emirahmetoğlu

Elif Emirahmetoğlu hat ihr Promotionsstudium am Seminar für Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie der Universität Münster mit einer religionsvergleichenden Arbeit zur Konzeption des Menschen in Islam und Buddhismus im Jahre 2024 abgeschlossen. Davor hat sie ihr Bachelorstudium „Islamische Theologie“ und Masterstudien „Islamische Philosophie“ und „Religionsgeschichte“ in der Türkei absolviert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin war sie am Berliner Institut für Islamische Theologie, an der Evangelisch Theologischen Fakultät der Universität Münster und am Seminar für Religionsgeschichte der Ondokuz Mayıs Universität (Türkei) tätig. Der Aufsatz „The Human Self and Personhood in Akbarian Sufism and Chinese Buddhism,“ in dem sie einige Ergebnisse ihrer Dissertation vorstellte, hat im internationalen Wettbewerb „Ibn ‘Arabī Society Young Writer Award 2023“ die Platzierung „Highly Commended“ erhalten. Ihre komparative Religionsforschung fokussiert sich auf religionsphilosophische Fragen und theologische Anthropologie, wobei sie sich derzeit mit subjektphilosophischen Konzepten beschäftigt. Im Rahmen der Wolfhart Pannenberg Research Fellowship untersucht sie den koranischen Begriff „nafs“ in interkulturellen Zusammenhängen.

Das Projekt „Eine Untersuchung des koranischen Begriffs nafs in intertextuellen Zusammenhängen“ zielt auf eine Analyse des koranischen Konzepts der nafs (Person/Selbst) und ihrer vielseitigen und ambivalenten Verwendung in Verbindung mit dem vorislamischen Verständnis der nafs und mit den relevanten biblischen Begriffen (nefeš und psychē). In erster Linie wird der Begriff „nafs“ im Koran diachron untersucht und eingeordnet, was ermöglicht, diese Idee innerhalb der koranischen Entwicklungsdynamik selbst zu verstehen. Dann wird sie nach ihrer thematischen Anwendung analysiert. Bei dieser Untersuchung werden verschiedene Dimensionen der menschlichen nafs –eschatologisch, existentiell, erkenntnistheoretisch, psychologisch, bzw. ethisch– in ihrer koranischen Darstellung erörtert.

Als nächster Schritt wird die nafs entsprechend der Methode der Intertextualität mit den relevanten vorislamischen und biblischen Begriffen vergleichend ausgewertet. Die Arbeit soll zeigen, welche Parallelen und Unterschiede zwischen nafs im Koran, nefeš in der hebräischen Bibel und napšā im syrischen Christentum festgestellt werden können und welche Konsequenzen die Besonderheiten, durch die sich nafs im Koran von den letzten beiden unterscheiden, für die koranische Darstellung des Menschen insgesamt haben. Die diachrone Lesung der nafs bzw. ihrer Untersuchung in intertextuellen Zusammenhängen ist ein wichtiger Beitrag zu den Forschungen zu nafs in der Koranwissenschaft und in allen weiteren islamischen Disziplinen, denn es gibt bisher nur thematische Anordnungen und Darstellungen dieses Konzepts in seiner koranischen Verwendung. Desweiteren wird die Analyse der koranischen nafs in ihrer Mehrdimensionalität und eine holistische und konstellative Lesart dieses Begriffs, wie das vorliegende Projekt vorhat zu zeigen, neue Perspektiven eröffnen, um menschliche Subjektivität in islamischer Theologie zu diskutieren.